Dokumentation:
Zwischen Kriegspropaganda
und PR-Arbeit:
Die Krisenkommunikation der Bundeswehr
Abgedruckt in: Rundbrief
der BUKO-Kampagne „Stoppt Den Rüstungsexport!";
Hg.: Bundeskongress Entwicklungspolitischer Aktionsgruppen (BUKO) im
Dez. 1999, Ausg. Nr. 55, S. 14-22.
„Zu erinnern ist hier noch einmal
daran, in welchem Stil die Massenmedien Werbung und Information handhaben:
Typisch ist die ständige Wiederholung: dieselbe Reklame, die unaufhörlich
mit dem selben Text oder Bild gesendet oder ausgestrahlt wird; dieselben
Phrasen und Gemeinplätze, die von Informanten und Meinungsbildnern
unaufhörlich verbreitet werden; dieselben Parteistandpunkte und
-programme, die von den Politikern unaufhörlich verkündet
werden. ... Über die extreme Funktion der Wiederholung war sich
Hitler im klaren: die größte Lüge, oft genug wiederholt,
wird für bare Münze genommen und als Wahrheit akzeptiert."
(Herbert Marcuse, Repressive Toleranz,
1968)
Bundeswehr-Foto zum Einmarsch ins
Kosovo 1999
(Quelle: www.bundeswehr.de/im_einsatz/index.html)
„Jede Krise hat mannigfaltige Facetten
und Aspekte. ... Die Krise aktiv bewältigen und nutzen, lautet die
unternehmerische Herausforderung. Kommunikation ist dabei der Schlüssel
zum Erfolg, Krisen erfolgreich nach innen und außen zu meistern."
So schreibt Rainer Zimmermann von der Werbeagentur Kohtes & Klewes
im PR-Handbuch „Kommunikation und Krisenmanagement". Aus dieser Perspektive
muss die heutige Bundeswehr den Marketingexperten geradezu als Paradebeispiel
für Krisenbewältigung gelten: Der politischen und militärischen
Führung in Deutschland ist es in nur zehn Jahren gelungen, aus einer
Truppe mit Sinnkrise und „spürbar geringer Kampforientierung" (Information
für die Truppe, IfdT, 5/91, S. 68) eine Armee zu formieren, die eingebunden
ist in die aggressivsten Militärstrategien seit Ende des Kalten Krieges
und faktisch jenseits aller verfassungs sowie völkerrechtlichen Beschränkungen
überall auf der Welt in die Schlacht geschickt werden kann. Das Ausmaß
dieser Umorientierung wird deutlich, wenn man sich daran erinnert, dass
es Anfang der 90er Jahre in der Bevölkerung tatsächlich noch
zur Disposition stand, ob nach dem Ende der Bedrohung durch die atomare
Apokalypse weiterhin aufs Militär gesetzt werden soll: Bis zu 80
Prozent der Deutschen sprachen sich nach Bundeswehrangaben 1990/91 gegen
„militärische Verteidigung" aus (IfdT, 5/91, S. 68). Die Militärs
schimpften über die „kriegsuntaugliche (weil „feindlose" und „kriegsarme")
moderne Gesellschaft" und konstatierten: „Zumindest für die Staaten
in Mitteleuropa gilt der Krieg ... nicht mehr zwangsläufig als Fortführung
der Politik mit anderen Mitteln." (Kuhlmann/Lippert, IfdT, 4/93, S. 30-35.)
In diesem Prozess, in dem die Truppe, die bis dahin ausgebildet worden
war, um „kämpfen zu kön-nen, aber nicht kämpfen zu müssen",
(Oberstl. Dr. Georg-Maria Meyer, IfdT, 5/91, S. 68) die Orientierung verinnerlichte,
„wir müssen kämpfen können und wollen, wenn wir kämpfen
müssen" (Helge Hansen, Heere-sinspekteur, zit. nach Stuttgarter Zeitung,
9.9.92.), haben Politiker und Militärs zwar auf zunehmend profes-sionelle
Weise versucht, die öffentliche Kommunikation über den Sinn
und die konkreten Aufgaben des Militärs zu bestimmen. Aber während
es gelang, die Bundeswehr außenpolitisch und strategisch vom ‘Zaungast’
im zweiten Golfkrieg zum ‘Bombenschmeißer’ auf Jugoslawien zu konvertieren,
ist das mit dem „kriegsuntauglichen Volk" offenbar nicht so einfach: Die
Argumentationsmuster, mit denen uns der Kosovo-Krieg verkauft wurde, sind
entlarvend: Humanität, Antifaschismus, Frieden und Gerechtigkeit
waren und sind nie und nimmer militärische Werte. Dass sie aber für
die Kriegstreiberei gezielt annektiert werden, kann nur so interpretiert
werden, dass die, die einen gesellschaftlichen Konsens über die Unausweichlichkeit
und Leg-timität dieses Krieges herstellen wollten, wissen, dass sie
die Mehrheit der Bevölkerung bis heute nicht ‘rational’ überzeugen,
sondern höchstens moralisch disziplinieren können. Nicht zufällig
verlief deshalb die Neu-Positionierung der Bundeswehr in dem politischen
Vakuum, das der Ost-West-Konflikt hinterlassen hatte, von Anfang an auf
zwei Ebenen: Während sukzessive neue militärsche Orientierungen
und Begrifflichkeiten entwickelt wurden, um die Truppe im Bündnis
(Strategieentwicklung der Bundeswehr im Rahmen von NATO und WEU) und intern
(das ‘soldatische Selbstverständnis’) kriegsverwendungsfähig
zu machen, wurde die neue Rolle der Bundeswehr in der Öffentlichkeit
den gegebenen Vorbehalten entsprechend systematisch verklärt.
Eine neue Rolle für die
Bundeswehr: „Mutter Theresa im Kampfanzug"
Zwischen August 1990 und Ende 1992
hatte die Bundeswehr dreizehn Auslandseinsätze absolviert, und bereits
im Sommer 1992 bekannte Verteidigungsminister Rühe: „Wir haben ...
schon eine Zweidrittelmehrheit für die Blauhelm-Einsätze. Ich
verstehe es völlig, dass es für Kampfeinsätze noch Vorbehalte
gibt." (Interview in: Der Spiegel, 30/1992, S. 34.) Auf die bestürzte
Nachfrage der Spiegel-Redakteure, „Die Bürger sollen sich eines Tages
mit Kampfeinsätzen abfinden?", antwortete Rühe: „Ich glaube,
dass man in Verantwortung hineinwachsen muss. ... Wir müssen zusammen
mit anderen bereit sein, internationales Recht wiederherzustellen." Und
während die einen noch nach „Nischen unserer Handlungsfähigkeit"
suchten (J. Schöhnbohm, Staatssekretär im Verteidigungsministerium,
zit. nach Der Spiegel, 35/1992, S. 68), arbeiteten Stoltenberg, Generalinspekteur
Naumann und Rühes Stab schon an der Marschrichtung für künftige
Kampfeinsätze: „Im Gegensatz zur umfassenden Verteidigungsfähigkeit
... (müssen) Krisenreaktionskräfte befähigt werden, nach
Art, Intensität sowie Warnzeit, Dauer und Ort, unterschiedliche Krisen
im Bündnis und anderen internationalen Kooperationsformen erfolgreich
zu bewältigen. ... Strategisches Denken in Phasen ist angesichts
zukünftiger Konstellationen von Chancen und militärischen und
nicht-militärischen Risiken überholt. Daher verbietet sich auch
eine starre Zuordnung militärischer Fähigkeiten zu den Kategorien
Frieden, Krise und Krieg." (Verteidigungspolitischen Richtlinien/VPR,
1992, Ms.-S. 31.) Im Bündnis mit der NATO bedeutete dies entsprechend
ihres 1991 in Rom verabschiedeten „Neuen strategischen Konzepts" die Bewältigung
z.B. folgender „Risiken": Fundamentalismus, Drogenterrorismus, organisierte
Kriminalität, Nuklearhandel, Terror- und Sabotageakte, Flüchtlingsströme,
Zugangsbeschränkungen zu Märkten und Rohstoffen, Bevölkerungswachstum,
Umweltkatastrophen usw.. Die Grenzen zwischen Krieg und Frieden wurden
diffus, und die Bundeswehr bekam mit der Aufgabenbeschreibung „Schützen,
Retten und Helfen" den Duktus einer ehrenvollen, selbstbewussten, universell
einsetzbaren „starken Truppe" gegen „das Böse in der Welt". Während
die ersten Bundeswehr-Entsendungen einerseits dazu dienten, die parlamentarische
Mehrheit für Auslandseinsätze zu stabilisieren und die diesbezüglichen
verfassungsrechtlichen Beschränkungen zu überwinden, lieferten
sie der Hardthöhe andererseits auch Geschichten und Bilder für
die Arbeit am Image der Truppe. Das Ergebnis war ein Soldatenbild, das
der Leiter des FB Sozialwissenschaften an der Führungsakademie der
Bundeswehr, Wolfgang R. Vogt, 1993 als „Mutter Theresa im Kampfanzug"
umschrieb. Es sei nur dazu gedacht, von den tatsächlichen politisch-militärischen
Intentionen abzulenken: „Unter dem Deckmantel der ‘humanitären Hilfe’
wird eine neudeutsche Macht- und Interessenpolitik betrieben." (ZivilCourage
5/93, S. 12.) Den ersten Blauhelm-Einsatz in Kambodscha von April 1992
bis November 1993 bestritten 140 Bundeswehrsoldaten, darunter 30 Ärzte.
Ihre Aufgabe: die medizinische Betreuung der UN-Mitarbeiter vor Ort und
die Betreuung der Bevölkerung „im Rahmen freier Kapazitäten".
Rühe veranlasste eine großformatige Anzeigenkampagne, in der
Werbung für die „weltweiten humanitären Einsätze der Bundeswehr"
gemacht wurde; der Slogan: „Die Engel von Phnom Phen". Auch der zweite
Blauhelmeinsatz 1993/94 in Somalia wurde in diesem Sinne propagandistisch
„veredelt": „Der Einsatz unserer Bundeswehr im Rahmen der Vereinten Nationen
hat in Somalia zehntausende Menschen vor dem sicheren Hungertod und vor
Krankheiten bewahrt." (Volker Rühe, Presseerklärung zu den Kosten
des Somalia-Einsatzes, 28.2.1994.) Während die Bundeswehr von August
1992 bis März 1993 drei ihrer Transalls tatsächlich dafür
einsetzt hatte, der hungernden Bevölkerung Somalias insgesamt 6.000
Tonnen Lebensmittel zu bringen, sollten die 1.700 Soldaten im Rahmen von
„UNOSOM II" (Mai 1993 bis März 1994) die Versorgung einer indischen
UN-Brigade in Belet Huen übernehmen. Als die jedoch ausblieb, vertrieb
man sich die Zeit damit, vor Ort einige Brunnen zu bohren und Straßen
zu reparieren. Dass Rühes Begeisterung über die „technische
Perfektion" und den „Willen zu Helfen" beim Besuch seines Wüstenkorps
und auch die von der Hardthöhe geschaltete Zeitungsanzeige „Ja, Menschlichkeit"
übertrieben waren, sahen sogar die Militärs ein. Ein Zugführer
beschrieb im Koblenzer Zentrum für Innere Führung die wirklichen
Motive seiner Soldaten: „Abenteuerlust, Finanzen und die Angst, als Soldat
zur zweiten Kategorie zu gehören, wenn man nicht teilnimmt". (Der
Spiegel, 10/1994, S. 28.) Aber ungerührt vom sich abzeichnenden Scheitern
der UN-Mission insgesamt beschwor Rühe weiterhin die neue Einheit
von Militär und Menschlichkeit. So heißt es z.B. in seiner
oben zitierten Presseerklärung zur Kosten-/Nutzenrelation des Somalia-Einsatzes:
„Die ... eingesetzten Haushaltsmittel bedeuten Investitionen in die Menschlichkeit
und in die Zukunft der Bundeswehr. ... Das Engagement unserer Soldaten
war ein Akt der Menschlichkeit ... Die dafür eingesetzten Finanzmittel
sind eine Investition für die Humanität. ... Rund 60 Mio. der
Gesamtmittel wird die Bundeswehr als zusätzliche verbesserte Ausrüstung
bei künftigen humanitären Katastropheneinsätzen sowie bei
den Krisenreaktionskräften nutzen können." Am 3.8.1994 bilanzierte
Die Welt: „Somalia ist wieder auf dem Weg zurück ins Chaos. Der UNO
ist gelang es weder, das Land zu modernisieren, noch, es zu befrieden.
Ende September werden die Blauhelme auch Mogadischu verlassen haben. Die
UNO überlässt Somalia seinem Schicksal." Die „eingesetzten Haushaltsmittel"
beliefen sich auf 310 Mio. DM, wovon sich die Bundesregierung von der
UNO übrigens 70 Mio. zurückerstatten ließ. Nur damit die
Relationen stimmen, was die „Investition für die Humanität"
betrifft: für das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP), das schwerpunktmäßig
nachhaltige Förderprojekte in den ärmsten Ländern der Welt
organisieren soll, hat die Bundesregierung ihre jährlichen Beiträge
seit 1994 (138 Mio. DM) Schritt für Schritt auf 85 Millionen DM (1999)
reduziert. Den einzigen wirklichen Nutzen aus der Somalia-Expedition der
Bundeswehr zogen rückblickend wahrscheinlich nur die „Falken" in
Bonn: Sie bemängelten die aus ihrer Sicht unprofessionelle Ausstattung
und Organisation des Einsatzes und die politische Zaghaftigkeit der Kohl-Regierung,
den Einsatzradius des deutschen Militärs über „humanitäre
Aktionen" hinaus auszudehnen - bis hin zu einem Kampfeinsatz im Bosnien-Krieg.
Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Karl-Heinz Hornhues,
orakelte gegen Ende von UNOSOM II, wenn es um eine Überwachung des
bosnischen Friedens gehe, käme die Bundeswehr „nicht mehr mit einem
Feldlazarett davon": „Die alten Dogmen sind nicht mehr zu halten." (Der
Spiegel, 10/1994, S. 28.) Selbst Josef Fischer, damals Fraktionschef von
Bündnis 90/Die Grünen, hatte zu jener Zeit noch davor gewarnt,
unter dem Vorwand der „Humanität" Kriegsvorbereitung zu betreiben:
„Für die Zukunft sehe ich die erhebliche Gefahr, dass die Bundesregierung,
Koalition und Generalität nach den Gesetzen der Salamitaktik Anlässe
suchen oder Anlässe schaffen werden, um die Barrieren abzuräumen,
die es gegenüber der Außenpolitik des vereinigten Deutschland
noch gibt. Als Vehikel dienen dabei die Menschenrechts- und die Humanitätsfragen."
(30.12.1994, Interview in: Die Woche.) Aber genau diese Argumentationslinie
hatte mit der ihr eigenen Dynamik - von der materiellen und logistischen
Unterstützung der NATO-Truppen am Rande des Golfkrieges 1991, über
die ersten „Blauhelm-Missionen" 1992/93 - der Bundeswehr die Marschstrecke
freigeräumt bis hin zu der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts
über Out-of-area-Einsätze 1994. Und sie ermöglichte auch
die ersten ECR-Tornados über Bosnien 1995 und den ersten Kampfeinsatz
ohne Beschränkung innerhalb von IFOR II auf dem Balkan ab Ende 1996.
Der Kriegseinsatz in Bosnien
als Sieg der Bundeswehr
über die deutsche Geschichte
Der Einsatz deutscher Soldaten in
Ex-Jugoslawien stellte die Legitimierungstechniker in Bonn dennoch vor
neue Herausforderungen: Hunderttausende SerbInnen und BosnierInnen waren
von den deutschen Faschisten - oder mit deutscher Duldung von der Ustascha
- im zweiten Weltkrieg ermordet worden. Die Erinnerung an die deutschen
Verbrechen auf dem Balkan in der Vergangenheit prägte deshalb die
Bonner Diskussion über den Bundeswehreinsatz zunächst maßgeblich:
Kerstin Müller und Jürgen Trittin warnten im Sommer 1995: „Ein
Einsatz deutscher Soldaten in einem Land, in dem vor über 50 Jahren
die deutsche Wehrmacht an die Vernichtung ganzer Völker ging, würde
den Konflikt nicht nur militärisch sondern auch politisch unbeherrschbar
eskalieren. Er würde zugleich das Tor aufstoßen für eine
durchgehende Militarisierung deutscher Außenpolitik, bei der die
Empörung über das menschenrechtsverletzende Unrecht in Ex-Jugoslawien
zur Durchsetzung höchst eigener nationaler Interessen genutzt würde."
(Germans to the Front?, gemeinsames Papier von Müller/Trittin aus
Juni 1995.) Und sogar Dr. Otto Graf Lambsdorff plädierte 1995 vor
dem deut-schen Bundestag für Zurückhaltung: „Ich will ausdrücklich
bestätigen, dass ich mich in vielen Äußerungen nach 1991/92
dafür ausgesprochen habe, übrigens in Übereinstimmung mit
dem Bundeskanzler und der Bundesregierung, dass deutsche Soldaten in Jugoslawien
- nach dem, was sich vor 50 Jahren dort abgespielt hat -, nach meiner
Auffassung nichts zu suchen hätten." Aber eben an diese Vorbehalte
knüpften die Apologeten einer Beteiligung deutscher Truppen an einem
NATO-Einsatz an: Während im Zweiten Golfkrieg deutsche Improvisationen
über die Saddam = Hitler-Formel, die sich US-Präsident Bush
zum Zweck der Kriegsvorbereitung von der PR-Firma Hill & Knowlton
hatte entwickeln lassen, überwiegend im Intellektuellen-Millieu -
Biermann („Kriegshetze, Friedenshetze", Die Zeit, 1.2.1991), Enzensberger
(„Hitlers Widergänger", Der Spiegel, 4.2.1991) usw. - kursierten,
so profitierte die Hardthöhe jetzt in der Debatte um den Bosnien-Einsatz
von der mehrjährigen Arbeit der US-amerikanischen PR-Agentur Ruder
Finn: Sie hatte für die Republik Bosnien-Herzegowina die „Geschichte
von den guten und den bösen Jungs" lanciert, wie ihr Chef James Harff
in einem Interview mit dem französischen Fernsehen 1993 offen bekannte:
„Sofort stellte sich eine bemerkbare Veränderung des Sprachgebrauchs
in den Medien ein, begleitet von der Verwendung solcher Begriffe, die
eine starke emotionale Aufladung hatten, wie etwa ethnische Säuberung,
Konzentrationslager usw. und all das evozierte einen Vergleich mit Nazi-Deutschland,
Gaskammern und Auschwitz. Die emotionale Aufladung war so mächtig,
dass es niemand wagte, dem zu widersprechen, um nicht eines Revisionismus
bezichtigt zu werden." (Zit. nach Mira Beham: Kriegstrommeln, 1996, S.
174.) Genau diesen Mechanismus nutzten auch die Interventionsbefürworter
in der Bundesrepublik. Er prägte seit 1992 die immer lauter werdende
Forderung nach einem militärischen Eingreifen in den Bürgerkrieg
in Ex-Jugoslawien („Es ist eine archaische Gewaltausübung im Gange
mit diesen Ausrottungsformen, mit diesen ethnischen ‘Bereinigungsformen’.
So etwas können wir nicht tolerieren. Vorschlägen, wie den Menschen
zu helfen ist - auch notfalls unter Anwendung von Gewalt -, werde ich
nicht mehr aus einem grünen Prinzip widersprechen." H. Lippelt, Bündnis
90/Die Grünen, in: Der Spiegel, 35/1992, S. 69). Und er wurde ab
Juli 1995, als serbische Einheiten die UN-Schutzzonen Srebrenica und Zepa
überrannten und tausende muslimische Männer massakrierten, zum
wichtigsten Leitmotiv für die Begründung des Luftkrieges gegen
die Serben und - die deutsche Beteiligung daran. Der Bundestag hatte am
30. Juni 1995 der von der Bundes-regierung beantragten Entsendung von
Bundeswehrsoldaten und ECR-Tornados zugestimmt, wie es hieß, zum
Schutz der UNPROFOR-Truppen, als „zutiefst humanitäre Maßnahme"
(Bundesaußenminister Klaus Kinkel, in: Der Spiegel, 27/1995, S.
26.). Im August und September 1995 entlarvte das NATO-Bombardement - das
durch Aufklärungsflüge der deutschen ECR-Tornados maßgeblich
unterstützt wurde - auch diese Beteuerungen als Lügen. Schlimmer
noch: Wie Andreas Zumach im Oktober/November 1995 in mehreren taz-Artikeln
aufdeckte, waren die westlichen Regierungen - auch die hiesige - schon
Wochen vor den serbischen Angriffen über die Eroberungspläne
Belgrads informiert und ließen es dennoch zu, dass die Enklaven
überrannt wurden. Ganz im Sinne der NATO wurden die UN-Truppen so
als „ohnmächtig" bzw. „unfähig" diskreditiert: „Nur wenige wagten
es noch, für die UNO eine Lanze zu brechen. Statt dessen hatten die
Forderungen nach einem wirksamen militärischen Schutz für die
verbleibenden Schutzzonen Hochkonjunktur, was natürlich die Ambitionen
der NATO nach Übernahme des Kommandos begünstigte." (Uli Cremer,
in: Die neue NATO, 1998, S. 43.) In diese Kerbe schlug auch Josef Fischer
im Sommer 1995 in einem Spiegel-Interview, seinen Rundbrief von Ende Juli
kommentierend, in dem er „militärischen Schutz für die UNO-Schutztruppen"
gefordert hatte: „Nach Srebrenica gibt es die Argumentation mit dem UNO-Einsatz,
wie wir ihn bisher kannten, eben nicht mehr. ... Die Zäsur liegt
in der Wirklichkeit des ethnischen Krieges. Können wir angesichts
des Vormarsches eines neuen Faschismus einfach zuschauen?" Der Damm war
endgültig gebrochen. Auf parteipolitischer Ebene gab es am 6. Dezember
1995 einen breiten Konsens über die Entsendung von 4.000 Bundeswehrsoldaten
„nicht länger als ein Jahr" (Rühe, in: Der Spiegel, 42/95, S.
25) in das IFOR-Kontingent im Rahmen des Dayton-Abkommens. Von 656 Bundestagsabgeordneten
stimmten 543 für den von der Regierung eingebrachten ‘Vorratsbeschluss’;
das Abkommen selbst wurde erst sechs Tage später in Paris unterzeichnet.
Gegen den Bundeswehreinsatz stimmten 55 Abgeordnete der SPD, 22 der Grünen
und alle der PDS. In den Abstimmungen über das 18-monatige IFOR-Nachfolgemandat
im Dezember 1996 und die unbefristete Verlängerung des SfOR-Einsatzes
der Bundeswehr im Juli 1998 waren die Mehrheiten ebenfalls eindeutig.
Der realistischen Einschätzung des Generalinspekteurs Naumann, es
handele sich um einen Kampfeinsatz, widersprachen Rühe und die Einsatz-Befürworter
aus den anderen Fraktionen. Sie hielten weiter an der Formel „rein humanitäre
Mission" fest. Über den Status Quo im ehemaligen Kriegsgebiet sind
sich Politiker wie Militärs inzwischen weitgehend einig: Wenn die
SfOR-Truppen Bosnien verlassen, wird es in kurzer Zeit wieder Krieg geben.
D.h. eine tatsächliche Befriedung der Region ist bis heute nicht
gelungen. Wohl aber war der Einsatz für die systematische Umrüstung
und Modernisierung der Bundeswehr nützlich: Von Beginn an schickte
die Truppenführung Krisenreaktionskräfte auf den Balkan, der
als „Riesentruppenübungsplatz" diente, auf dem „Erfahrungen für
weitergehende Interventionseinsätze gesammelt werden sollen", so
der Ex-Kompanie-Chef Erich Schmid, der, wie viele andere Offiziere seit
1992, seinen Dienst quittierte, weil er nicht bereit war, die Umwandlung
der Bundeswehr von einer Verteidigungs- zu einer Out-of-area-Armee mitzutragen.
(Die Woche, 27.9.96.) Der offizielle Diskurs über die Intentionen
und Konsequenzen der schrittweisen Militarisierung deutscher Außenpolitik
verhinderte gezielt eine angemessene grundsätzliche Auseinandersetzung
über den Sinn des Militärs als Mittel der Politik und über
alternative, zivile Konfliktlösungskonzepte. Die Relativierung bzw.
Umdeutung tradierter Werte („Frieden um jeden Preis ... ist ein menschenunwürdiger
Frieden und äußerst fragil. Nur ein Frieden in Freiheit und
Würde kann als höchstes Ziel gelten. Für einen solchen
Frieden lohnt es sich zu kämpfen!", D. Wellershoff, Generalinspekteur
der Bundeswehr im März ’91, zit. nach IfdT, 5/91, S. II.), die offensive
Besetzung von Begriffen (Frieden, Freiheit, Würde, Menschenrechte,
Sicherheit, Verantwortung, Humanität, Solidarität, Hilfe usw.)
sowie euphemistische Deutungen militärischen Handelns (humanitäre
Maßnahme, Friedenserzwingung, Kampf gegen „faschistische Aggressoren")
sollten die „kriegsarme Gesellschaft" der Bundesrepublik von der ‘Vertrauenswürdigkeit’
und ‘Unverzichtbarkeit’ soldatischen Handelns überzeugen und antimilitaristische/pazifistische
Kritik als „verantwortungslos, unsolidarisch, inhuman" usw. diskreditieren.
Aber die neue Formel ‘Lieber ein guter Krieg als ein schlechter Frieden’
überzeugte nicht wirklich: Das Umfrageinstitut Forsa ermittelte auch
1996 noch ein eher distanziertes Verhältnis zu Auslandseinsätzen
der Bundeswehr: Danach akzeptierten zwar inzwischen wieder 69 Prozent
der Befragten den militärischen Aufgabenschwerpunkt „Landesverteidigung",
aber nur 27 Prozent eine „verstärkte Ausrichtung auf Einsätze
im Ausland". (Die Woche, 27.9.96.)
Von Säckeschmeißern
und Friedensrambos -
Die PR-Kampagnen der Bundeswehr
Vor diesem Hintergrund wird verständlich,
warum neben der Ausbildung professioneller „deutscher Ledernacken" (Der
Spiegel, 30.1.95) für die Krisenreaktionskräfte bis heute am
Konzept der Wehrpflicht und einer jugendorientierten Nachwuchswerbung
festgehalten wird: Sozusagen jenseits des ‘Kriegshandwerks’ und seiner
eher mühsamen Legitimationsarbeit im politischen Alltagsgeschäft
wird damit einer jungen Zielgruppe die Bundeswehr als Arbeitsplatz, als
aufregendes Projekt für engagierte Teamworker angeboten. Besonders
einfach ist diese PR-Arbeit allerdings nicht. Die immer höheren KDV-Quoten
signalisieren: Die Jugendlichen interessieren sich nicht besonders für
den Kommis. So gab es 1998 erstmals mehr Anträge auf KDV als Wehrpflichtige,
die zum Dienst bei der Bundeswehr einberufen wurden und auch 1999 sorgten
die Kriegsdienstverwerweigerer wieder für einen Antragsrekord. Aber
für die Bundeswehr sind gerade die Wehrpflichtigen potentielle Multiplikatoren,
die es zu überzeugen gilt. Unbelastet von den Vorbehalten der Nachkriegs-
und Abschreckungsgenerationen sollen sie das neue Positiv-Image des Militärs
und ein verharmlostes Kriegsbild gesellschaftlich verankern. Dafür
setzt diese Öffentlichkeitsarbeit seit Anfang der 90er Jahre verstärkt
auf zivile Werbeprofis und auch zunehmend auf - entsprechend der sich
ausdifferenzierenden Medienstruktur - multimediale Werbekonzepte. Ende
1992 initiierte Rühe die bis dahin umfassendste Image-Kampagne für
die Bundeswehr. „Wir sind da" hieß der Slogan für das „Dachkonzept
Informationsarbeit Bundeswehr 2000". Es war angelegt auf eine Laufzeit
von vier bis fünf Jahren und ausgestattet mit einem jährlichen
Etat von 30 Mio. DM, der an die Düsseldorfer Werbeagentur Spiess
Ermisch Abels ging. Neben Agenturchef Reinhard Abels, einem ehemaligen
Presseoffizier der Luftwaffe, beteiligten sich auch der Ex-BILD-Chefredakteur
Peter Boenisch und Klaus Martin Wolff, PR-Berater des Axel-Springer-Verlags,
an der Konzeptentwicklung. (Der Spiegel, 53/1992, S. 30f.) „Wir sind da"
sollte die seit 1988 laufende und zu Beginn des zweiten Golfkrieges gestoppte
Kampagne „Eine starke Truppe" ablösen, die in ganzseitigen Zeitungsanzeigen
Gruppen gutgelaunter, an Lagerfeuern feiernder oder musizierender jungen
Soldaten verschiedener Nationalitäten gezeigt und in Texten wie „NATO
- Bei uns erleben Sie Kameradschaft ohne Grenzen" für den Soldatenberuf
geworben hatte, ‘weil er Spaß macht’. Die Darstellung der Bundeswehr
als ‘internationalistisches Abenteuercamp’ im NATO-Bündnis galt nach
dem ersten Kriegseinsatz 1991 als nicht mehr zeitgemäß. In
einer Zwischenbilanz der Kampagne resümierte Rühe im Weissbuch
1994 (S. 150f.), mit dem Dachkonzept „Bundeswehr 2000" sei ein „Rahmen-
und Steuerungskonzept für die Aufgabenfelder Kommunikation, Pressearbeit,
Öffentlichkeitsarbeit, Nachwuchswerbung und Truppeninformation geschaffen"
worden, dass „nach außen in die Öffentlichkeit und nach innen
in die Bundeswehr" wirke: „Mit Informationsaktionen in Zeitungen und Zeitschriften
sowie im Fernsehen werden Antworten auf die Fragen der Öffentlichkeit
zu Sicherheitspolitik und Bundeswehr nach den grundlegenden Veränderungen
der jüngsten Zeit gegeben. Daneben werden der soldatische Dienst
und die Leistungen der Bundeswehr gewürdigt. Darüber hinaus
wird die Bundeswehr als attraktiver Arbeitsplatz dargestellt." Während
sich im realen Leben deutsche Ledernacken in den Krieg im ehemaligen Jugoslawien
aufmachten, las man im Herbst ‘96 in der Hochglanzbroschüre „Bundeswehr
heute" - weichgespült durch die PR-Experten der Bundeswehr - über
den veränderten Charakter des „soldatischen Dienstes": „Die Zusam-menarbeit
für den Frieden in der Welt unter dem blauen Helm der Vereinten Nationen
steht für das neue Miteinander. Der sicherheitspolitische Wandel
hat auch geistig-moralische Konsequenzen für das soldatische Selbstverständnis.
... War es zu Zeiten des Kalten Krieges die Logik der Kriegsverhinderung
durch Abschreckung, die den Sinngehalt soldatischen Dienstes bestimmte,
so erfährt dieses Selbstverständis jetzt eine positive Erweiterung.
Zur Kriegsverhinderung tritt die aktive Friedensgestaltung. ... Heute
steht nicht mehr die Abwehr einer direkten Bedrohung im Zentrum unserer
Überlegungen. Heute geht es auch darum, den Ausbruch von bewaffneten
Konflikten in anderen Teilen der Welt zu verhindern, Friedensstörer
in die Schranken zu verweisen, Menschen und Völker aus Not und Gefahr
zu helfen und am Wiederaufbau zerstörter Staaten mitzuwirken." Dieser
‘Light-Version’ des neuen deutschen Militarismus entsprechend werden in
der Nachwuchswerbung und in PR-Kampagnen ausgewählte Aspekte des
Bundeswehralltags mit jugendgerechten Themen verknüpft. Die „Message"
reagiert dabei selten direkt auf den jeweils aktuellen politischen Diskurs,
sondern liefert vielmehr Deutungen über die Bundeswehr, die insbesondere
an individuellen Interessenlagen Jugendlicher orientiert sind; hier einige
Beispiele: Ein TV-Werbespot aus 1995 zeigte eine AWACS-Maschine über
den Wolken und acht junge Kerle verschiedener Nationalität (... „Melin
aus der Türkei", Kevin „from the United States" und Götz „aus
Heidelberg" ...) in Großaufnahmen. Eine Stimme sagt aus dem Off:
„Gute Ausbildung, gute Aussichten, gute Leute. Die NATO, ein Unternehmen
aus 16 Nationen, das funktioniert. Und wir, die Bundeswehr, gehören
dazu." Die Informations- und Werbeaktion "Wehrpflichtige ´97" (zum
Teil heftig kritisiert wegen ihrer an die Propaganda im Hitler-Faschismus
erinnernden „Leni Riefenstahl-Ästhetik") zi-tierte „Originalaussagen
junger Wehrdienstleistenden"; Oberstleutnant Helmut Wendt, bei der Bundeswehr
zuständig für den Bereich Hörfunk/Fernsehen über die
Spots: „Die jungen Soldaten informieren in ihrer Sprache authentisch und
glaubwürdig über die Bundeswehr, die Wehrpflicht und die Möglichkeiten,
die ihnen persönlich offenstehen." (Zit. nach: Sabine T. Ruh, Bundeswehr:
Kampf ums Image, in: PR-Magazin, Dezember 1997.) Mit der im August/September
letzten Jahres gelaufenen multimedialen Werbeaktion „Berufsstart ‘99"
sollten Jugendliche mit abgeschlossener Berufsausbildung „über die
Berufsmöglichkeiten als Zeitsoldat" informiert werden. In 18 Zeitungen
mit einer Auflage von rund 10 Mio. Exemplaren, darunter „Bravo", „kicker",
jugendnahe Programmzeitschriften usw., wurden insgesamt 23 Anzeigen geschaltet.
Im Internet, u.a. im Sport-, Reise- und Touristik-Bereich oder in Onlineangeboten
verschiedener TV-Sender gab es „Banner-Werbung" und „Keyword-Advertising".
Im Internet ist die Bundeswehr seit 1996 , nach Oberstleutnant Helmut
Wendt ebenfalls ein „funktionierendes PR-Medium". Mit einer Extra-Seite
„Treffpunkt Bundeswehr" („Bundeswehr - Tornados, Auslandseinsatz, Technik,
Wehrpflicht") wird die Zielgruppe seit Dezember 1998 mit Infos über
„Deine Berufswahl", „Bewerbungsverfahren" und mit „Fun" (Spiele etc.)
bedient. Mitte Oktober 1999 wurde darüber hinaus die Kampagne „Offizier
2000" gestartet, die Abiturienten für ein Studium mit anschließender
Offizierskarriere bei der Bundeswehr interessieren soll.
November 1999, Bannerschaltung
"Offizier 2000" auf der RTL-Nachrichtenseite
Der Slogan: „Wer sich für Frieden
und Freiheit interessiert, muss gut ausgebildet sein. ... Sie wollen studieren
und gleichzeitig gut verdienen? Sie wollen gefordert werden und gleichzeitig
einen sicheren Arbeitsplatz haben? Sie wollen vielfältige Verwendungen
im In- und Ausland kennenlernen? Wir laden Sie ein ..." Für die zivilen
Medien werden Kampagnen wie „Berufsstart ´99" schnell zum Loyalitätstest,
was ihre „Verwendungsfähigkeit" im Kampf für „Frieden und Freiheit"
betrifft: Im vergangenen Herbst stellten z.B. der MDR, NDR, SWR und das
ZDF redaktionelle (= kostenlose) Sendezeiten zur Verfügung; der ORB
sendete im Kampagnenzeitraum Bundeswehrwerbung in „15 Min. ‘Arbeitsmarkt
aktuell’" und in der „Jobbörse", einer Live-Sendung mit Zuschauerfragen.
Darüber, ob und wieviel die Bundeswehr z.B. für Anzeigen im
Printbereich und Banner im Internet bezahlt, gibt es keine verbindlichen
Informationen. Für den Bereich Fernsehen ist jedoch hinlänglich
bekannt, dass es seit Jahren eher kollegiale Beziehungen zur Bundeswehr
gibt, was z.B. die Unterstützung von TV-Serienproduktionen durch
die Bereitstellung militärischer Ausrüstung oder Infrastruktur
betrifft: So wurde die ARD-Vorabendserie „Nicht von schlechten Eltern"
(Ausstrahlungszeitraum zwischen November 1993 und April 1998) mit Unterstützung
des Marinestützpunkts Wilhelmshaven und der Fregatte „Lübeck"
produziert. Inhaltlich geht es um die Geschichte einer ‘ganz normalen
Familie’, deren Vater Flotillenadmiral und eine Tochter Stabs(zahn)ärztin
ist; verantwortungsvolle, zufriedene und manchmal idealistische Identifikationsfiguren,
eben eine „Fernsehserie mit Bundeswehr-Flair" so warb man auf der Bundeswehr-Homepage
für die Produktion. Zweites Beispiel: „Jets - Leben am Limit", eine
Pro7-Serie mit einem leichten „Hauch von Top Gun" (Pro7), die von Anfang
bis Mitte 1999 lief. Sie zerlegte das „moderne Bundeswehrleben" in Bilder
und Stories, die sich in ihrer Ästhetik und Dramaturgie augenscheinlich
eng an US-Produktionen orientierten. Es gab Action, Herz & Schmerz,
gutaussehende junge Helden in einer Bundeswehr-Eliteeinheit und viel Landser-Romantik.
Hauptdarsteller und Jungmädchenschwarm Andreas Elsholz, im echten
Leben untauglich gemustert, bekannte vor der Presse, in der Rolle des
Kampffliegers „Robin" habe er sich selbst gefunden ... Auch hier gab es
umfangreiche Hilfestellung von der Bundeswehr: Gedreht wurde u.a. auf
den Fliegerhorsten Fürstenfeldbruck, Memmingen, Decimmonu/Sardinien
und Sheppard/Texas. (Vgl. ZivilCourage 2/99, S. 18.) Die Kooperation mit
zivilen Medienschaffenden bietet für die Bundeswehr nicht nur die
Möglichkeit indirekter Eigenwerbung; sie liefert zudem wichtige Anregungen
und Kontakte für die Entwicklung eigener Werbekampagnen und Medienangebote,
die auch in der Feindpropaganda eine wichtige Rolle spielen, wie die Bundeswehr
bereits beim Einsatz in Bosnien bewies: Das „OPINFO"-Batallion der Bundeswehr
hat im Rahmen der „Psychological Operations" der NATO von Juni 1996 bis
Herbst 1997 die Jugendzeitschrift „Mirko" produziert, die sich - zuletzt
mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren - an Jugendliche im Kriegsgebiet
richtete. Ziel der Psychologischen Kriegsführung war es u.a. „die
Splittergruppen und die Bevölkerung vor Ort davon abzuhalten, die
IFOR/SFOR-Operationen zu behindern und sie zu ermutigen, mit der NATO
zu kooperieren." (www.geocities.com/Pentagon/1012/bosnia.html.) Wie bedeutsam
die zivilmilitärische Zusammenarbeit im Bereich Neue Medien für
die Bundeswehr ist, verdeutlichen aber insbesondere die Aktivitäten
an der ‘Heimatfront’, wo die Truppe inzwischen über eigene professionelle
Institutionen verfügt, wie z.B. das Institut für Systemdynamik
an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg (Produktion des „Info-Magazins"
- ein Videoangebot auf der Homepage der Bundeswehr) und die Informations-
und Medienzentrale der Bundeswehr (IMZBw) in Sankt Augustin bei Bonn.
Die IMZBw ist die zentrale Einrichtung der Bundeswehr zur Entwicklung,
Herstellung, Dokumentation und Verbreitung von Ausbildungs- und Informationsmitteln
für die Bereiche Ausbildung, Politische Bildung und Truppeninformation.
Sie führt zentrale Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit
und Nachwuchswerbung durch und unterstützt die militärische
Pressearbeit. Sie ist zudem mit der ebenfalls in St. Augustin angesiedelten
Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) über
deren regionales „CorpoNet" vernetzt, mit der man insbesondere im Bereich
„Videoproduktion" zusammenarbeitet (vgl. Kleine Anfrage Bündnis 90/Die
Grünen, www.bundestag.de/aktuell/wib96). Als eine weitere wissenschaftliche
Institution, mit der die IMZBw zusammenarbeitet, ist der Fachbereich Photoingenieurwesen
an der FH Köln zu nennen, der 1995 zwei Studien zum Thema audiovisuelle
Medien („Video-Nachfolgegeneration für die Bundeswehr" und "Non-linear
Video Editing"; vgl. www.fh-koeln.de/presse/publikationen/forschung/9496/fo105.html)
lieferte. Freie Produktionsfirmen, wie die „Gesellschaft für Information
und Darstellung" produzieren Ausbildungsfilme für die Bundeswehr
(z.B. „Kampfmittelerkundung EOR", 1999). An der Erstellung der interaktiven
CD-ROM „Auftrag: Frieden" des Presse- und Informationsstabes des Bundesministeriums
der Verteidigung, ein kostenlos verteiltes digitales Kompendium mit zentralen
politischen und strategischen Publikationen der Hardthöhe, ergänzt
durch Videoclips, Bildersammlungen und verschiedene Such- und Bearbeitungsfunktionen,
arbeiteten u.a. die Agenturen „mediaconnect", Augsburg und „mindmedia
GmbH", Stadtbergen mit. Zur Kundschaft von mindmedia zählen übrigens
auch die Deutsche Bank und der Rüstungskonzern Krauss-Maffei. Am
8. Mai 1998 wurde „Auftrag: Frieden" auf dem 40. Deutschen Public-Relations-Tag
mit dem Deutschen PR-Preis „Goldene Brücke 1998" in der Kategorie
„PR mit neuen Medien" ausgezeichnet. Wen wunderts, dass zivile PR-Agenturen,
wissenschaftliche Institutionen, Informatiker bzw. „Multimedia-Designer"
etc. angesichts der innovativen und sicher auch lukrativen Medienarbeit
bei der Bundeswehr kaum Skrupel hegen. Bei einer Umfrage der Deutschen
Public Relations Gesellschaft (DPRG) unter 374 Agenturen sprach sich z.B.
nur ein Fünftel der Befragten gegen eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr
oder mit Rüstungsfirmen aus. (Becher, M.: „Moral in der PR?", 1996,
zit. nach PR Report 3/97, www.agenturcafe.de.) Auch diese konzertierten
Anstrengungen der Bundeswehr entlarven die gebetsmühlenhaft wiederholten
Argumentation, Out-of-area-Einsätze seien „humanitäre Missionen"
und die „ultima ratio" gegen un-kontrollierbare Gewalt als Propaganda-Bluff,
der von der Etablierung der ‘Militärmacht Deutschland’ in der Praxis
ablenken soll. Wie sonst soll man z.B. die ‘Quadratur des Kreises’ interpretieren,
mit der ‘PR-Experten’ den Kampf gegen das Hochwasser an der Oder und gegen
die Serben in Ex-Jugoslawien als eine sinnfällige Einheit sehen?
1997, Verteidigungsminister Rühe
besucht den Oderbruch
(Quelle: www.bundeswehr.de/bundeswehr/armee_einheit/bilanz/11.htm)
Dazu zitiert die freie Journalistin
Sabine T. Ruh in ihrer Reportage über „seltene Sternstunden für
die PR-Experten der Hardthöhe" den Pressesprecher des Bundesverteidigungsministeriums,
Oberstleutnant Christopher Kaatz, mit folgender Bewertung: „‘Die Bundeswehr
ist die Armee des Lan-des zur Verteidigung, aber auch die Armee der Bevölkerung.
Sie soll von ihr getragen und gestützt werden. Die breite Akzeptanz
ist wichtig. ... Der Einsatz in der Oderregion brachte viel im Hinblick
auf die Imagepflege. Die beste aller Werbungen ist immer die praktische
Tat. Denn solche Einsätze kann kein ziviles Unternehmen leisten,
weder von Ausbildung, noch Vorbereitung oder Durchführung her.’"
Ruh weiter: „Für den Pressesprecher war das Hochwasser ‘sozusagen
ideal’, um die guten Seiten darzustellen. ... Eine ähnlich gute Presse
hatten die Auslandseinsätze der Bundeswehr ... [in] Bosnien-Herzegowina
... Die Aufgabe des deutschen Kontingents: sanitäre Betreuung, Wiederaufbau
zerstörter Brücken und beschädigter Straßen. Zum
ersten Mal wurden - zuvor heiß diskutiert - deutsche Bodentruppen
direkt in einem Konfliktgebiet stationiert. Mittlerweile gibt es dafür
breite Zustimmung in der Öffentlichkeit. Dazu Kaatz: ‘Unsere Auslandsaktivitäten
haben dieselbe Wirkung wie der Hochwassereinsatz. Unsere SFOR-Einsätze
in Bosnien sind ein an-schauliches Beispiel dafür, welche Aufgaben
die Bundeswehr erfüllen kann und muss.’" (Zit. nach „Bundeswehr:
Kampf ums Image", in: PR-Magazin, Dezember 1997.) Zwei Jahre später,
im Frühjahr 1999, sind die „Auslandsaktivitäten" der Bundeswehr
mit der direkten Beteiligung am Angriffskrieg gegen Jugoslawien in ein
neues, bestürzendes Stadium eingetreten. Und die in den vergangenen
Jahren der strategischen und ideologischen Neuausrichtung der Bundeswehr
ständig wiederholten ‘Phrasen und Gemeinplätze, die von Informanten
und Meinungsbildnern unaufhörlich verbreitet wurden’ (siehe oben,
Marcuse 1968), waren nicht nur konstitutiv für die Legitimation dieses
Kriegseinsatzes gegenüber der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit;
sie dienen im Nachhinein - ähnlich wie die früheren Auslandseinsätze
- als Begründung für weitere Kriegsvorbereitungen auf einem
qualitativ neuen Niveau. Eine von der Truppe im Oktober selbst publizierte
Meldung charakterisiert vielleicht am besten das Resümee, das die
Kriegsbefürworter aus Politik und Militär aus dem NATO-Krieg
gegen Jugoslawien ziehen: Der Waffengang hatte auf das Image der Bundeswehr
keine schädlichen, sondern äußerst positive Auswirkungen.
Am 6.10. veröffentlichte die Bundeswehr Ergebnisse einer FORSA-Umfrage
„Zu welchen Institutio-nen haben Sie volles Vertrauen?", in der es heißt:
"Die Bundeswehr belegt unter 13 Institutionen hinter Amnesty International
und Greenpeace zusammen mit dem Bundesverfassungsgericht den 3. Rang."
Der Kosovo-Krieg und die Kriegsdividende
für die Bundeswehr
Kein Zweifel, die Kriegspropaganda
währed des Angriffskrieges gegen Jugoslawien hat ihre Spuren hinterlassen.
So setzte die rot-grüne Regierung mit Mitteln der Geschichtsklitterung
und Verheldung der deutschen Soldaten einen Schwerpunkt ihrer Kriegspropaganda
darauf, das militärische Traditionsverständnis von dem Ruch
der Wehrmacht und ihrer Verbrechen zu befreien und die Bundeswehr zur
‘antifaschistischen Widerstandsgruppe’ umzudeuten. Dazu nahm man unter
dem Dach der NATO-Propaganda das Thema „gute Jungs und böse Jungs"
wieder auf und erklärte diesmal Milosevic zum Widergänger Hitlers.
Scharping mit seinen emotionalen Ausbrüchen im Bundestag und auf
den Bundespressekonferenzen im März und April („Mordmaschinerie von
Milosevic", „bestialische" Verbrechen, „Völkermord", „Schlachthaus",
„ethnische Säuberung", „Selektierung", „Konzentrationslager", „Blick
in die Fratze der deutschen Vergangenheit") oder Fischer mit seiner Diskreditierung
derjenigen, die den Bonner Kriegskurs ablehnten („Weisswäscher eines
neuen Faschismus") blieben zwar letztendlich, wie auch die NATO-Informationsmanager,
die Beweise für das von ihnen geschilderte Ausmaß der Morde
und Menschrechtsverbrechen schuldig (vgl. die Protokolle der Bonner Pressekonferenzen
unter www.bundeswehr.de/presse/news/1999/ und z.B. das „Stratfor-Papier"
in der Jungen Welt vom 28.und 29. Okt. 99). Aber sie konnten sich darauf
verlassen, dass der Disziplinierungsmechanismus (‘Wie kann man Greuelpropaganda
hinterfragen, ohne sich der Gefahr auszusetzen, tatsächliche Verbrechen
damit zu relativieren?’) lange genug auf die öffentliche Meinung
wirkte, um den Krieg durch seine Anfangsphase zu bringen. In diesen Kontext
passte auch die Strategie, die Assoziation ‘Verbrechen des Faschismus/deutsches
Militär’ neu zu deuten: von der Instrumentalisierung des Schwurs
„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg", mit der Scharping im Februar
1999 bei seinem Besuch in Auschwitz ein erstes Zeichen setzte („darum
ist die Bundeswehr in Bosnien" und darum wird sie „wohl auch in den Kosovo
gehen"); über sein Statement in Berlin am 20. Juli, „die Bundeswehr
steht in der Tradition des Widerstandes, nicht in der der Wehrmacht";
bis hin zu Schröders Vollzugsmeldung im Juli in Prisren: „Der Einsatz
der Bundeswehr in Kosovo ist nach Auffassung von Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) geeignet, die ‘historische Schuld’ Deutschlands auf
dem Balkan verblassen zu lassen." (FR, 24.7.)
Februar 1999: Besuch von Bundeswehrsoldaten
in Auschwitz. (Quelle: „Bundeswehr
aktuell", 22. Feb. 1999.)
Nur fünf Monate dauerte es,
bis der von der Kohl-Regierung noch zögerlich angegangene Versuch,
die deutsche Geschichte als Hindernis für unbeschränkte Militäreinsätze
der Bundeswehr aus dem Weg zu räumen, zum öffentlich kaum widersprochenen
Faktum erklärt werden konnte. Beflügelt von diesem ideologischen
Rückenwind ging Scharping kurz nach dem Ende der Bombardierungen
mit neuen Aufrüstungsplänen in die Öffentlichkeit. Bereits
im Juni ordnete er mit Verweis auf den Kosovo-Krieg („Unser Engagement
auf dem Balkan hat deutlich gemacht, was künftig von den deutschen
Streitkräften erwartet wird.") die Verstärkung der Krisenreaktionskräfte
des Heeres um ein Drittel an. Programmatisch war auch die Rede auf dem
10. Sicherheitspolitischen Forum der Welt am Sonntag am 5.7.99 in Berlin,
wo Scharping in einer Auswertung des Kosovo-Krieges die künftigen
Bundeswehraufgaben explizit noch einmal auf die Verteidigungspolitischen
Richtlinien bezog und signalisierte, dieser Krieg böte Perspektiven
für künftige Waffengänge: „Unbestreitbar erscheint ...
die Notwendigkeit, Krisen und ihren Ursachen, die außerhalb unseres
Territoriums und außerhalb des Bündnisgebietes auftreten, am
Ort ihres Entstehens entgegenzutreten, sofern unsere gemeinsamen Sicherheitsinteressen
und Werte betroffen sind. Sicherheit kann unter den heutigen Bedingungen
nicht mehr allein über einen territorial definierten Raum bestimmt
werden." Für solche Aktivitäten benötigt die Bundeswehr
natürlich auch mehr Geld. Am 1.10. erklärte Scharping in einer
Rede auf dem Luftwaffenstützpunkt Decimomannu auf Sardinien, die
Wiederaufstockung des Bundeswehr-Etats sei unverzichtbar: „Die neuen internationalen
Bündnisverpflichtungen, die der Bundeskanzler vor dem Hintergrund
des Kosovo-Konflikts maßgeblich mitgestaltet hat, kosten bis 2010
jährlich zwei Milliarden Mark mehr". Und was ist mit der „Mutter
Teheresa im Kampfanzug"? Hier war die Argumentation genauso wenig durchzuhalten
wie in den anderen Out-of-area-Einsätzen zuvor. Die während
des Krieges in der Tagespresse hier und da versuchten „humanitären"
Rollenzuschreibungen „Unsere Soldaten - Engel der Ärmsten" (Express,
7.4.99) ließen sich nicht lange verwenden und wurden spätestens
mit dem NATO-Bombardement auf ZivilistInnen bei Djakovica am 14. April
indifferent. Und nach dem Einmarsch der Bundeswehr in Prizren im Juni
blieben auch schnell die anfänglichen Bilder jubelnder Kosovo-AlbanerInnen
aus, als Bundeswehrsoldaten in einem Straßengefecht drei Mitglieder
der serbischen Sicherheitskräfte erschossen und sich die NATO-Besetzung
des Kosovo nicht nur als eine gefährliche, sondern auch eher kriegerische
als karitative Aktion offenbarte. Wie umstritten die Anwesenheit der NATO-Streitkräfte
im Kosovo ist, verdeutlicht die Stellungnahme von Dr. Clemens Vlasich,
Obmann von Ärzte ohne Grenzen (MsF)/Österreich, dessen Organisation
vor kurzem mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde: „Kurzfristig gesehen
mag es den Kosovo-Flüchtlingen gleichgültig sein, wer sie medizinisch
versorgt, Lebensmittel verteilt oder Latrinen baut. Hauptsache, ihnen
wird überhaupt geholfen. Langfristig gesehen muss diese Hilfe unparteiisch
und uneigennützig bleiben. Eine Kriegspartei, wie z.B. die NATO,
kann nie uneigennützig Hilfe leisten, so wie auch kein Krieg trotz
aller Beteuerungen allein aus humanitären Gründen geführt
wird. Humanitäre Organisationen müssen laut Genfer Konventionen
unparteiisch und unabhängig sein ... Nur dann werden sie von allen
Kriegsparteien akzeptiert und nur dann sind die Flüchtlinge vor etwaigen
Angriffen geschützt. Um diesen unabhängigen Status gegenüber
den Konfliktparteien zu wahren, haben sich alle 19 Büros von Ärzte
ohne Grenzen weltweit entschlossen, für den Einsatz am Balkan jegliche
finanzielle Unterstützung von NATO-Mitgliedsstaaten, die Europäische
Gemeinschaft eingeschlossen, abzulehnen." (Zit. aus „Diagnose", Okt. 99.)
Wo wurde in der Medienberichterstattung über die preisgekrönten
MSF deren kritische Bewertung der NATO-Aktivitäten im Kriegsgebiet
thematisiert oder die Konsequenz, die der Verband daraus zog? Und so bleibt
es dann auch nach Kosovo bei der Zweiteilung der Bundeswehr-Selbstdarstellung
in Friedensrambos und Säckeschmeißer. Das belegt nicht nur
die Abwesenheit des realen Krieges in den aktuellen Kampagnen „Berufsstart
‘99" und „Offizier 2000". Auch beim jüngsten und bisher entferntesten
Einsatz der Bundeswehr „out of area", in Indonesien, wird das gängige
Begründungsmuster beibehalten, obwohl es diesmal ebenso wenig mit
der Realität zu tun hat, wie in den anderen geschilderten Fällen:
Die hochmoderne medizinische Ausstattung der beiden C-160 Transall-Maschinen,
die sich im Oktober auf den Weg nach Asien machten, kam eben nicht der
verletzten und traumatisierten ost-timoresischen Bevölkerung zugute,
wie Fischer („Wir leisten humanitäre Hilfe und wir werden auch in
Zukunft verstärkt humanitäre Hilfe leisten", 7.10.) oder Scharping
(„Deutschland wird in Ost-Timor humanitäre Hilfe leisten", 10.10.)
es in öffentlichen Statements gerne erklärten. Für monatlich
5,1 Mio. DM übernahm die Bundeswehr, wie sie selbst berichtet, „die
Evakuierung schwerverletzter oder schwerkranker Angehöriger der internationalen
Friedenstruppe (Interfret) oder der zivilen ‘United Nations Mission in
East Timor’ (Unamet) aus Ost-Timor".
Friedenspolitische Aufklärung
gegen militaristische Propaganda
Wie gesagt, die bundesrepublikanische
Gesellschaft steht, auch wenn uns das die PR-Strategen der Hardthöhe
gerne glauben machen wollen, noch immer nicht ‘Gewehr bei Fuß’.
Woraus sich aus friedenspolitischer Sicht die Chance und Notwendigkeit
ergibt, als einen Beitrag zur Kriegsverhinderung immer wieder die zynische
‘Vermarktung’ des Krieges bloßzustellen. Und wenn Kriegsvorbereitung
und Kriegsführung zunehmend von einer professionellen multimedialen
Kriegspropaganda abhängen, braucht es dann nicht auch eine offensivere
Öffentlichkeitsarbeit der Friedensbewegung, die auf breitester Ebene
so früh wie möglich Gegeninformationen zu den militärischen
Deutungen anbietet? Letzte Frage: Was wären adäquate, gemeinsam
genutzte Diskurs- und Handlungsräume (z.B. auch mit JournalistInnen,
PR-SpezialistInnen, InformatikerInnen usw., die sich der Zusammenarbeit
mit dem Militär verweigern) und wie könnten wir sie schaffen?
„Immer? Nicht immer. Aber
immer öfter." heißt es auf der Vorderseite einer Postkarte
der DFG-VK;
Text auf der Rückseite: „Dagegen
haben wir was. DFG-VK. Für Frieden und Gerechtigkeit." Hier
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